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Aus dem Tagebuch einer Mutter

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... und immer wieder habe ich das verdammte Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Ja, ich bin alleinerziehend, aber nein, denken Sie bloß nicht, ich vernachlässige mein Kind! Ich tue natürlich alles, um die Tatsache auszugleichen, dass ich nicht mit seinem Vater zusammenlebe...

Warum habe ich immer das Gefühl, mich entschuldigen zu müssen? Gegen Vorurteile ankämpfen zu müssen?
 
Heute hat die Lehrerin beschlossen, dass Max morgen Buntpapier dabei haben soll. Na toll, denke ich, wenn ich ihn nach meiner Arbeit aus dem Hort abgeholt, das Abendessen gemacht, die im Hort nicht vollständig gemachten Hausaufgaben kontrolliert, Englisch-Vokabeln wiederholt, die Wäsche aufgehängt habe und nun natürlich vor dem Problem stehe, dass der Schreibwarenladen  schon geschlossen hat. Eine andere Mutter würde jetzt vielleicht selbstbewusst der Lehrerin zurückmelden, so etwas zwei Tage vorher anzukündigen, aber ich werde jetzt herumtelefonieren, um das Papier noch irgendwie zu besorgen. Denn ich möchte ja nicht, dass sie denkt... wo ich ihn doch schon letzte Woche zwei Tage mit argem Husten in die Schule schicken musste, weil ich seinetwegen nicht schon wieder bei der Arbeit fehlen konnte.
 
Manchmal denke ich, das einzig wirklich Schlimme an unserer Situation ist mein ständig schlechtes Gewissen. Mit allem anderen basteln wir uns schon unsere Lösungen zurecht. Im Grunde bastele ich mir bei allem eine für mich gute Lösung zurecht. Aber egal,  für mich glimpfliche Lösung ich finde, es wird immer Unzufriedenheit bei den Anderen: mein Chef wird unzufrieden sein, weil ich nicht noch eine halbe Stunde länger geblieben bin, um diesen wichtigen Brief fertig zu schreiben, die Horterzieherin ist sauer, weil ich Max trotz aller Bemühungen, zum    x-ten Mal drei Minuten zu spät abgeholt habe, und Max gegenüber habe ich natürlich erst recht ein schlechtes Gewissen, wenn er da so peinlich berührt steht. Weil er wieder als letzter abgeholt wird.

In meinem Wunschträumen sage ich natürlich ganz selbstbewusst zu meinem Chef, dass er doch von meinem Kind gewusst hat, als er mich eingestellt hat, mir mein Kind wichtig ist und ich daher pünktlich Schluss machen werde. Der Horterzieherin erkläre ich, dass es eigentlich ihre Aufgabe wäre, die Hausaufgaben meines Sohnes noch einmal zu kontrollieren. Wenn dann eine meiner verheirateten Freundinnen sagt: „Also ich bewundere dich ja, wie du das alles schaffst. Das muss ja soo belastend sein. Also, ich könnte das nicht!“, dann entgegne ich ihr ganz locker: „Dein Mitleid kann mir eigentlich gestohlen bleiben!  Hättest du mich stattdessen am letzten Samstag auf deine Feier eingeladen, dann hättest du mir etwas Gutes getan! Aber da habe ich wohl – zwischen all den Pärchen – nicht recht hineingepasst.   Im übrigen waren die ganzen Klamotten mit den Löchern, die du mir letzte Woche großzügig für mein Kind überreicht hast, eigentlich eine Zumutung!“

Ganz anders ist es, wenn ich mit Lisa unterwegs bin. Lisa ist in der gleichen Situation wie ich: Sie ist auch allein mit ihrer Tochter. Wenn mein Sohn einmal ein etwas länger bei ihr zum Spielen bleibt, weil ich bei der Arbeit etwas fertig machen muss, habe ich kein schlechtes Gewissen, weil sich Lisa umgekehrt sich auch Lisa auf mich verlassen kann. Ohne jede Erklärung oder Rechtfertigung. Weil Lisa einfach weiß, wie es ist!

Diese Website soll uns helfen, Unterstützung zu finden und das schlechte Gewissen loszuwerden. Wissen darum, dass es mit Unterstützung besser geht, finden wir in der Regel unter den Menschen, die in einer ähnlichen Situation stecken.

Martina


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